Im modernen Reisebus ging die Tour von Koblenz zunächst zur Glockengießerei in Brockscheid im Kreis Daun. Hier erhielt die Gruppe im Familienunternehmen Mark-Maas unter sachkundiger Führung Einblicke in die Herstellung von Kirchenglocken aus Bronze in allen Details und Arbeitsschritten von der Lehmform bis zur fertig gegossenen Glocke. Die Herstellung einer Glocke, so der Werksführer,  erfolgt ausschließlich in Handarbeit. Es sind hierbei eine ganze Reihe verschiedener Arbeitsschritte nötig. Zuerst muss eine Form für die spätere Glocke erstellt werden. Diese Form wird ausschließlich aus Ziegelsteinen und Lehm erstellt. Der Lehm bekommt als Zusatz zur Festigung und zur Verhinderung von Rissen während der  Trocknung des Lehms, ein Gemisch aus Pferdemist und Rinderhaare. Die Form wird dann mit Hilfe einer Schablone, die der Glockengießer fertigt, aufgeformt. Auf ein Buchenbrett zeichnet der Glockengießer das Profil der späteren Glocke auf. So weiß er schon vor dem Guss der Glocke, wie groß und wie schwer sie wird und vor allem welchen Ton sie bekommt. 3- bis 4-mal im  Jahr  werden hier Glocken aller Größen gegossen. Im Unternehmen der Familie geht man dem Kunsthandwerk Glockengießen schon seit dem Jahr 1620 nach. Damals besaß man jedoch keine feste Werkstatt an einem bestimmten Standort, sondern man zog von Gemeinde zu Gemeinde, um an Ort und Stelle Glocken gießen zu können. Während der zahlreichen Kriege waren die Glockengießer von den Kriegsherren mit dem Guss von Kanonen beauftragt. Zur Produktpalette der Glockengießerei gehört auch die Fertigung kleiner Glöckchen aus Messing und Bronze, alle Arten von Bronzekunstguss, Ofenplatten aus Bronze und Eisen, und Kunstgussartikel nach eigenen Wünschen. Für mittlere und große Kirchenglocken werden hier auch hochwertige Glockenstühle aus Holz und Stahl und auch Turmjalousien hergestellt. Die Installation und Restaurierung alter Turmuhren und Glockenanlagen rundet das Produktprogramm ab.

Nach einer Stärkung in der angrenzenden Glockenstube ging´s nach Immerath zum Schulmuseum. Unter fachkundiger Führung von Denise Wagner-Schumann konnten die Pensionäre im Untergeschoss des alten Schulhauses zunächst alles über das Backen von Brot in den früheren Zeiten im Steinofen erfahren, bevor über eine schmale Wendeltreppe führend der original erhaltene Klassenraum mit alten Schulbänken, Schiefertafel und Lehrerpult im ersten Stock erreicht wurde.

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Hier wurde für die Besuchergruppe der Schulalltag früherer Zeitepochen lebendig. Anschaulich wurde über die schulische Entwicklung in den vergangenen 200 Jahren in diesem im Kreis Daun wohl ältesten Schulhaus berichtet und daran erinnert, dass vor Einführung der allgemeinen Schulpflicht sogenannte "Winterlehrer" ohne pädagogische Vorbildung unterrichteten, die sich im Sommer ein Zubrot in Landwirtschaft und Handwerk verdienen mussten. Denn damals noch verdiente der Dorfhirte mehr als der Dorfschulmeister. Geregelte Schulverhältnisse erfolgten erst mit  Einführung der Schulpflicht um etwa 1830. Beengte Räumlichkeiten, fehlende Arbeitsmittel und wechselnde Schulaufsichten erschwerten allerdings im vergangenen Jahrhundert die Arbeit der Lehrer. Dies wurde den Besuchern bewusst, als sie durch das Backhaus im Erdgeschoss die steile Treppe zum kleinen Schulzimmer hinaufstiegen, wo früher oftmals bis zu 60 Schüler unterrichtet wurden. Außerdem diente der Klassenraum teilweise als Lehrerwohnung. Bei Speis und Trank und guter Unterhaltung klang die Tagesreise im Hotel „Zur Post“ in Welling bei Mayen aus.

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